Underground
Uncut Despite - Evolution Reverse
(Spielzeit: 32 min./VÖ: 2005)
Was geschieht, wenn Grindcore, Deathmetal, Dark, Death, Thrash, Doom, Progressive, klassischen Metal-Einflüssen und mystische und jazzige Klänge aufeinander treffen? Alles zusammen genommen ergibt ein völlig eigenständiges, recht undefinierbares Gebräu, das diese technisch hoch versierte Band aus der breiten Masse zahlreicher stets gleich klingender Combos abhebt.
Ständige Rhythmus- und Stimmungswechsel verleihen den zwölf Stücken des Vinyl-Debüts von Uncut Despite ihren eigenen Reiz. Bei diesem abwechslungsreich wie kaum eine andere Band zu Werke gehenden Fünfer aus dem Raum Kassel ist man vor Überraschungen nie ganz sicher. Immer wenn Du denkst, dass ein Stück sich in diese oder jene Richtung entwickelt, schlägt das Barometer derart abrupt um, dass es einem die Sprache verschlägt!
Evolution Reverse gehört zu den Alben, die auch nach mehrmaligem Durchlauf immer wieder neue Klangfacetten offenbaren, ohne auch nur in irgendeiner Form langweilig zu werden. Allerdings sollten Anhänger der extremen Gangart über ein gesundes Maß an Toleranz verfügen; mit anderen Worten in der Lage sein, weit über den Tellerand üblicher Genre-Standards hinaus zu blicken, schließlich gibt es auf Evolution Reverse allerhand Skurriles zu entdecken.
Irgendwelche besonderen Anspieltipps dieses Silberlings herauszustellen, erspare ich mir bewusst, - das Teil muss man in seiner kompletten Vollständigkeit gehört haben, um in die bizarre Welt von Uncut Despite einzutauchen.
Nein, dieser Zwölftracker lässt Schubladendenkern nicht den Hauch einer Chance! Unglaublich, was Keyboarder Yann am Keyboard drauf hat. Immer wieder neue, interessante, manchmal gar orientalisch anmutende Soundeffekte und mystische Passagen verleihen allen zwölf Stücken das gewisse Etwas und machen dieses Album zu einem ganz besonderen Debüt. Hauptvocalist Sascha, Keyboarder Yann und Basser Dennis teilen sich des öfteren gemeinsam die Vocals, wodurch ein sehr breites Spektrum unterschiedlicher Gesangsstile erzeugt wird. Fette Gitarren, eine sichere Rhythmussektion und häufige Stilwechsel verstärken den positiven Höreindruck zusätzlich.
Hinzu kommt ein passendes CD-Cover, wodurch dem Album auch eine ansprechende optische Note verliehen wurde. Nicht nur musikalisch, sondern auch textlich sind Uncut Despite ein schwer verdaulicher Brocken. Die Band spart nicht mit knallhart offener Gesellschaftskritik, egal ob es sich dabei um die gegenwärtige Situation hierzulande oder das Individuum Mensch als solches handelt.
ExtremhärtnerInnen dürften an der Band schnell ihre helle Freude finden, sofern sie denn bereit sind, ihren Horizont gleich um mehr als ein halbes Dutzend interessanter Facetten zu erweitern. Wegweisend und inspirierend zugleich liegt mit Evolution Reverse ein wirklich ausgefallenes Debüt in meinem CD-Player, das seinesgleichen im hiesigen Underground derzeit vergeblich sucht. Schade, dass der Silberling bereits nach zweiunddreißig Minuten effektiver Spielzeit sein Ende findet.- Daumen hoch für ein Album der ganz anderen Art, das von diesem vielversprechenden Fünfer auch in Zukunft eine Menge erwarten lässt!
Toschi
- Network
- Life Of Scorn
- Friendly Foe
- Conscious Fear
- Liberty Is A Sold Soul
- Der Schmetterling
- Plutocracy
- N.D.M.K.
- Plan B
- I´m The Dead You Need
- Mass Amnesia
- Das spielende Eichhörnchen
- Evolution Reverse
weitere Links
02.04.2004: Uncut Despite, Gutbucket, Havoc, Jack Slater (Kassel, K19)
31.07.2004: 3. Himmel Open Air (Schauenburg/Hoof, Himmelwiese)
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