Interviews

Transilvanian Beat Club (03.05.2006)

Rumänische Bauern im Wodkarausch ...

Mein lieber Herr Gesangsverein! Als mich dieser Tage der Debüthammer »Willkommen im Club« des thüringischen Transilvanian Beat Club, einer weiteren Band aus dem engen Eisregen Umfeld, erreichte, konnte ich mir aufgrund des völlig obskuren Stils, der kultigen Texte und der fetten Aufmachung ein dickes, zufriedenes Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht schneiden. Selbstredend mussten da unbedingt ein paar Fragen geklärt werden. Warum zur Hölle fährt man in Thüringen neuerdings auf Rumänien und Vampire ab?! Was hat das alles mit Wodka zu tun? Lest selbst, was mir der bestens aufgelegte und sympathische Interviewpartner Yantit in die Feder diktiert hat ...

Dirk: Erstmal Gratulation zum gelungenen Einstand mit dem Beat Club! Wie sind die ersten Presse-Reaktionen auf eure Scheibe? (Die Scheibe ist zum Zeitpunkt des Interviews ja noch nicht offiziell veröffentlicht)

Yantit: Dankeschön. Bislang waren alle Reaktionen positiv, es waren allerdings auch noch nicht so viele. Wir sind selbst gespannt was noch kommt und hoffen, dass es möglichst viele Leute kultig finden. Das ist das größte Lob ...

Es wurde ja desöfteren verlautet, dass mit Eisregen in absehbarer Zeit Schicht ist. Sind Eisblut und der Transilvanian Beat Club quasi die ersten Vorboten der Post-Eisregen Ära? Worin unterscheiden sich eurer Meinung nach die drei Bands hinsichtlich der Zielgruppe?

Mit Eisregen ist noch lange nicht Schluss, solange sich auch nur einer über uns aufregt haben wir diese Mission noch nicht erfüllt. Wie es um Eisblut im Moment steht kann ich dir nicht sagen, das weiß allein M. Roth, doch ich denke auch da wird es irgendwann etwas Neues geben ... also noch nichts mit »Post-Eisregen Ära«.
Was die Zielgruppen betrifft glaube ich gar nicht, dass sie sich so sehr voneinander unterscheiden. Wenn einer den Spaß in Eisregen (13, Elektrohexe und der Grundhumor) erkannt hat und mag, wird er auch mit dem Beat Club etwas anfangen können, lediglich ganz eingefleischte Knüppelfetischisten sollten vorher probehören, mit Death Metal oder gar Grind hat das Ganze sicher nichts zu tun ...

Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?

Für mich ist es eine Mischung aus allen Bands (Eisregen, Ewigheim, Necrotikissme) in denen ich bislang mitgewirkt habe oder es noch tue, dazu eine nicht zu unterschätzende Prise alten (langsamen) Black Metal und nicht weniger Rock 'n' Roll der Marke Motörhead oder Social Distortion.

Wie sind die ersten Shows mit dem Beat Club gelaufen? Wie reagiert das Publikum?

Infernal, genau so wie wir es uns gewünscht hatten. Die Leute sollen tanzen, singen und sich dabei ordentlich besohlen und genau diese Reaktionen haben wir bisher erfahren.

Sind weitere Shows oder gar eine Tour in Planung? Könnt ihr das zeitlich alles noch organisieren oder lebt ihr ohnehin bereits von der Musik?

Im Moment stehen unsere ersten Festivalkonzerte auf dem Hard Taste in Hassleben (bei Erfurt) und dem Wacken an, dazu zwei Konzerte in Österreich (Linz am 23.6.06 und Wien am 24.6.06) mit Jack Frost. Was eine Tour betrifft sind wir am Überlegen, wenn, würde diese dann im späten Herbst 06 stattfinden, was aber eher von persönlichen, als von finanziellen Dingen abhängig ist. Zeitlich hingegen gibt es gar keine Probleme, eben weil wir nicht davon leben müssen. Die Meisten von uns sind immer abkömmlich, selbstständig oder ähnliches, für Eisregen braucht es nur eine Probe die Woche, plus die Wochenenden an denen wir spielen und der Rest ist frei für den Beat Club ...

Eure Produktion gefällt mir außerordentlich gut, erinnert mich aber wegen des Sounds und auch wegen der Songs ganz massiv an die letzte The Vision Bleak Scheibe »Carpathia«. Welche Zusammenhänge seht ihr da, außer dass ihr natürlich im selben Studio wart?

The Vision was ...? Aber im Ernst, ich finde nicht, dass es da bis auf ein paar Ähnlichkeiten beim Gesang eine Verbindung gibt. Sie arrangieren ihre Stücke, wie ich finde, wesentlich bombastischer und aufgeblasener als wir.
Wir hingegen arbeiten eher minimalistisch und haben vor allem darauf geachtet, nicht mehr aufzunehmen als wir auch live spielen. Die Versuchung ist groß im Studio immer noch einen drauf zu packen, gerade bei Streicher-Flächen, Chören oder beim Doppeln der Gitarren kann dies verhängnisvoll sein, da sich die Musik dann kaum (zumindest nicht ohne erheblichen technischen Aufwand) noch live spielen lässt. Aber ich nehme es durchaus als Kompliment, bedenkt man unsere bescheiden Mittel im Vergleich zur »Carpathia«. Was den Sound betrifft ist es wohl wie du sagst, das Studio macht da eine Menge aus, die wesentlichen Geräte, Einstellungen und vor allem die Ohren von Markus waren bei der Produktionen die gleichen.

Wie lange hat die Arbeit im Studio E. gedauert? Wie habt ihr aufgenommen? Gibts irgendwelche witzigen Anekdoten? Wie kam es zu der Kooperation mit Martin von Pungent Stench?

Genau zehn Tage, obwohl vier mehr eingeplant waren. Das Hauptproblem war, erst einmal einen Grundsound zu finden, da jeder eine Vorstellung aber keiner einen wirklichen Plan hatte wie der Beat Club klingen soll. So war auch nicht wirklich Zeit um Unfug zu treiben. Nach acht Stunden Studio waren wir am Abend einfach froh ein wenig abzukacken und gemeinsam die tägliche Flasche Wodka zu genießen ... mehr nicht.
Was Martin betrifft habe ich ihn am Ende der letzten Tour mit Pungent einfach gefragt und er erklärte sich zu unserer Freude sofort bereit. Er war dann ein Wochenende lang vor Ort, spielte an einem Tag alles Nötige ein und wir verbrachten einen sehr schönen Abend mit »etwas« mehr Schnaps ...

Wie zur Hölle kommt man auf die Idee, dass man Trompeten, Klavier, Bratsche und Orgel zur regulären Instrumentalausstattung einer Metal Band macht?! Habt ihr keine Angst, von den Metal Hardlinern der Szene dafür ausgegrenzt zu werden? Oder scheisst ihr auf das vielbesungene, leidige »True«-Konzept?

Stimmt besonders »true« sind wir wirklich nicht, doch was sollte uns die Meinung anderer interessieren? Wir wollten einfach die Idee von der »rumänischen Bauernkapelle« umsetzen, wenn es dazu eine Trompete braucht, braucht es eine und wenn wir bei der nächsten CD ein Taxi aufnehmen, dann war es nötig ...

Klärt uns doch mal über euer lyrisches Konzept auf ... Das Bandinfo zwinkert ja mehr als nur mit den Augen und diese Vampirnummer erscheint eher amüsant als wirklich ernsthaft.

Ich mochte Vampire schon immer, doch in Verbindung mit Wodka sind sie eher eine Metapher und eben besonders lustig. Die erste Idee (das Lied »Wodkavampir«), die ich dazu hatte war, wie es wohl ist, wenn ein Vampir einen Sturzbesoffenen aussaugt; die Vorstellung wie der Vampir sich den Bauch voll schlägt und dann auch langsam betrunken wird erheitert mich bis heute. Dazu kommt, dass die »Lebensweise« eines Trinkers der eines Vampirs sehr ähnelt. Beide vegetieren in einem komatösen Wachschlaf und tierähnlichen »Behausungen« vor sich hin und können nicht sterben, obwohl es besser für sie wäre. Daraus ergab sich dann mit der Zeit das ganze Konzept ...

Wie wichtig ist euch Spaß im Metal? Seht ihr euch eher als humoriges Projekt oder bitterernste Band?

Schon humorig. Im Vergleich zu J.B.O. oder Onkel Tom aber bitte bitterernst.

Habt ihr die Darkthrone Coverversion »Transilvanian Hunger« nur aufgrund der namentlichen Verbindung ausgewählt? Was bedeuten euch Darkthrone sowie Black Metal im Generellen und im Speziellen?

Im Speziellen ist es mein all-time Lieblingslied und wir haben den Beat Club sogar mit dem Lied im Hinterkopf benannt. Generell höre ich nur wenig und vor allem nur alten Black Metal. Das was sich heute Black Metal schimpft, ist für mich bis auf ein paar Ausnahmen keiner mehr. Als damals die zweite und für mich erste richtige Black Metal Welle (mit Emperor, Burzum oder eben Darkthrone) das Land überrollte, war das mehr als Musik.
Heute muss ein Haufen Patronengurte, ein paar Streicher und ein unaussprechliches Pseudonym reichen, eine Gänsehaut mach mir das nicht mehr ...

Seid ihr mit der Arbeit von Massacre zufrieden? Immerhin sind Massacre die Heimat aller Eisregen Ableger und Eisregen selbst ... Gab es andere Angebote? Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit mit dem Beat Club?

Auf jeden Fall, Massacre sind genial. Es ist unkompliziert und immer eine Freude mit ihnen zu arbeiten, vor allem jedoch weiß ich, dass man sich auf sie verlassen kann und im Ernstfall jede Unterstützung bekommt. Von daher mussten wir gar kein anderes Angebot abwarten ... ich habe sie gefragt und sie wollten es machen.

Wie beurteilst du die derzeit immens starke, florierende Metal Szene in Thüringen? Welche neuen Bands aus eurem Bundesland kannst du empfehlen? Wie sieht es aus mit ungebetenen Gästen vom rechten Rand?

Ich finde es hier gar nicht soooo florierend. Die meisten neueren Bands gehen ganz andere Wege. In unserer direkten Umgebung gibt es nur ein paar Punk oder Cover Bands, für die ich mich nicht interessiere und eine Handvoll der oben beschriebenen »neuen« Black Metal Bands, die eigentlich keiner braucht. Wirklich erwähnenswert sind meiner Meinung nach nur Terminal Cancer aus Tabarz, sie machen recht eigenständigen Death Metal der älteren schwedischen Sorte mit deutschen Texten ... Politische Dinge gehören hier nicht her.

Wie geht es weiter mit dem Beat Club? Wo seht ihr euch in fünf Jahren? Gibt's noch Träume oder habt ihr bereits mit Eisregen alles erreicht was ihr euch einst im jugendlichen Alter erträumt habt?

Erst mal stehen die VÖ der CD und einige Konzerte an, auf die ich mich sehr freue. Wirkliche Träume haben wir hingegen nicht. Ich will den Spaß der ganzen Sache auch nicht an Zuschauerzahlen oder verkauften CDs festmachen, dafür ist es mir zu wichtig. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre es wohl eine stabile Leber und ein paar Reserven Hirnzellen für alle in der Band ... fünf Jahre sind eine lange Zeit. Obwohl, ein paar Bands mit denen wir gern mal spielen würden gibt es sicher auch noch.

Wann sieht man euch mal in Kassel oder Umgebung? Seid ihr undergroundmäßig drauf und froh für Sprit spielen zu können oder geht bei euch ohne Hotelzimmer und dickem Tour-Rider gar nichts?

Wie zuvor gesagt. Wenn uns einer den Tank füllt kommen wir auch nach Kassel, geschlafen wird wo man fällt, wenn es ein Hotelzimmer ist, auch schön ... und was ist ein Tour-Rider ... wir sind einfache Bauern (lach).

Die letzten Worte gehören euch!

Danke für ein sehr nettes Interview, alles Gute und vergesst den Wodka nicht ...

Dirk

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