Interviews

Bonfire (08.06.2006)

Hans Ziller auf dem Swedenrock Festival

Toschi: Wie seit ihr auf den Namen Bonfire gekommen? Für mich klingt das irgendwie stark nach Bon Scott ...

Hans: Wir hießen früher Cacumen. Das konnte man nie richtig aussprechen, hatte auch keine sgünstige Bedeutung für uns und außerdem klang es ziemlich blöd. Wir brauchten einen neuen Namen, haben deshalb in verschiedenen Lexika gewälzt und schließlich den Namen Bonfire gefunden. Es war eigentlich keine große Geschichte dahinter. Vor einiger Zeit kam eine AC/DC Sammel-Box, die im Gedenken an Bon Scott veröffentlicht wurde, heraus und deshalb so hieß. Den Namen »Bonfire« haben wir schon wesentlich länger, immerhin seit Mitte der 80er als wir unser Debüt veröffentlichten. Das hatte nichts mit Bon Scott zu tun!

Dass ihr Rap nicht mögt, kann ich gut nachvollziehen. Was hat euch dazu veranlasst, einen Song wie »Rap Is Crap« zu schreiben?

Es stinkt uns schon lange, dass sich diese Musiker einfach alles erlauben dürfen! Gewaltverherrlichung, Drogen und ständige Pöbeleien wie: »Deine Mutter ist eine Hure«, etc., werden bei dieser Musik großgeschrieben und sind wirklich das allerletzte. Dafür werden diese Musiker teilweise auch noch mit einem Grammy belohnt ...! Man kann alles übertreiben. Doch irgendwo hat alles seine Grenze. Kein Wunder, dass schon seit einiger Zeit in der Gesellschaft etwas schief läuft. Wir sind schon immer eine Band gewesen, die nicht immer gesellschaftstypisch ist und schrecken auch nicht davor zurück, von Zeit zu Zeit solche Themen aufzugreifen. Wir wollten die Leute damit nur ein wenig zum Nachdenken bringen.

Von welchen Bands wurdet ihr am meisten beeinflusst?

Ein Teil der Band schwört auf Southern-Rock-Legenden wie Lynyrd Skynyrd oder Molly Hatchet, die drei Gitarren, das war für damalige Verhältnisse einmalig und wirklich beeindruckend. Für mich waren alte Gitarrenhelden wie Alvin Lee (Ten Years After, Jimmy Hendrix auf dem Woodstock-Festival) richtungsweisend. Jede Musik hat ihre Berechtigung. Wir hören z. B. auch die Beatles, die alten Queen oder die Eagles, ebenso gehört auch viel klassischers Hardrockzeugs wie AC/DC etc., dazu. Ach ja ... und Gotthart, deren Stil meinem Musikgeschmack voll entspricht. Die will ich mir nachher unbedingt noch anschauen!

Gibt es Unterschiede zwischen euren alten Alben z. B. »Fire Works« und dem aktuellen Werk »Double X«?

Vom Stil her ist es ziemlich ähnlich. Es klingt lediglich vom Sound her moderner produziert. Vom Songwriting hätten mehrere Nummern auch auf »Fire Works« stehen können.

Ihr habt seit Juli einen neuen Gitarristen. Wie hat sich das auf eure Arbeit ausgewirkt?

Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Nach der Trennung von Chris Larsen haben wir entschieden, einen Keyboarder in die Band zu nehmen, was sich als Fehlschlag erwies. Nach dem schwachen »Free«-Album stellten wir wieder auf zwei Gitarren um, was uns ganz gut bekommen ist. Unser neuer Gitarrist Chris passt super in die Band. Wir verstehen uns blendend. Streitereien um Banalitäten wie bei anderen Bands gibt es bei uns nicht. Die Chemie stimmt!

Worin liegt der Grund, dass ihr euch auf dem neuen Album wieder back to the roots orientiert?

Das experimentielle »Free«-Album war vom Sound her komplett anders und wurde von den Die Hard-Bonfire Fans, die etwas anderes erwarteten einfach weniger akzeptiert.

Ich denke, dieser kernige, doppelgitarrenlastige Hardrocksound steht einer Band wie Bonfire auch wesentlich besser zu Gesicht.

Da stimme ich dir zu. Das alte Feeling ist wieder da. Wir knüpfen dort an, wo wir damals aufgehört haben. Die Scheibe hat wieder richtig Feuer! So liebe ich unsere Musik. Positive Kritiken in diversen Magazinen bestätigen, dass dieser Schritt der richtige für uns gewesen ist. Ich glaube, mit »Double X« ist uns wirklich ein richtig gutes Album gelungen!

Wann kommt ihr demnächst wieder auf Tour? Ich meine, mit solch einem starken Album im Gepäck ...

Während die Fußball-WM läuft, gönnen wir uns zunächst die wohlverdiente WM-Pause. Danach werden wir auf verschiedenen Open-Airs spielen, z. B am 21.07.06 auf dem Open Air am Baggersee in Pförring und am 22.07.06 auf dem Blaze-Of-Glory Open Air, (ein zwei Tage-Festival) in Spitzingsee, Schliersee. Desweiteren sind wir am 18.08. auf dem Open Air in Sulmtal zu sehen. Am 24.09. kommen wir nach Augsburg ins Spectrum. Danach gehen wir auf ausgedehnte Europa Tour, die uns in verschiedene Länder führen wird.

Was macht ihr privat, wenn ihr nicht im Studio oder auf Tour seid?

Ich bin leidenschaftlicher Hobby-Fußballer. Claus ist Bayern Fan, ich bin 1860 Fan. Also der pure Gegensatz. Da kommt es schon mal häufiger vor, dass wir uns gegenseitig ärgern. Ich bin verheiratet, habe Frau und Kinder. Damit ist der Tag komplett ausgefüllt. Wenn man eine Familie hat, bleibt kaum Zeit für etwas anderes. Danach ist der Tag gelaufen.

Welche Songs würdest Du zu den besten Bonfire-Songs zählen?

»Starin' Eyes«, »You Make Me Feel«, »Card Of My Country«, »S.D.I.« und natürlich »Ready 4 Reaction«. Ein Stück, das auf keinem Bonfire-Konzert fehlen darf!

Danke für das Interview und alles Gute für die Zukunft. Hat echt Spaß gemacht. Du warst ein angenehmer Gesprächspartner.

Dito. Danke ebenso!

Dieses Interview wurde am 08.06.06 auf einem Campingplatz im Rahmen des Swedenrockfestivals geführt.

Toschi

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CD-Reviews:

CD-Review: Bonfire - Double X


Diese Seite wurde 1 mal kommentiert
Jürgen (28.07.2006 20:50:56)
Ne typische Toschi-Schreibe, klasse und informativ gemacht! Hoffentlich krieg ich Bonfire auch mal live zu sehen - mag ich seit "DttL"-Zeiten!!

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