Interviews

In Slumber (23.03.2007)

Die Hingabe zur Selbstverletzung ...

Außerordentlich fett produzierter melodischer Death Metal ballerte mir kürzlich mit In Slumbers »Scars Incomplete« entgegen. Die Österreicher haben dabei den entscheidenden Schritt vollzogen, zwar einerseits genretypische, klassische Riff- und Melodieelemente aufzugreifen, andererseits aber auch aufgrund der modernen Produktion bzw. Einflüsse ihren Beitrag zum Melodic Death Metal Genre außerordentlich frisch und modern zu gestalten, ohne jedoch irgendwie Richtung Trend zu schielen oder gar, wie leider in letzter Zeit nur allzu häufig geschehen, zu stark in die Metalcore Bedeutungslosigkeit abzudriften. Chef und Sprachrohr Wolfgang war so nett, mir im Interview ausführlich Auskunft über den Stand der Dinge bei In Slumber zu geben!

Dirk: Euch gibt's erst seit 2002 und eigentlich seid ihr als Projekt gestartet. Was war der Auslöser, dass In Slumber nun nach und nach zu einer »richtigen« Band mutieren?

Wolfgang: Hallo Dirk! Nun, nach etlichen Konzertanfragen und den folgenden, sehr guten Resonanzen beschloss ich einfach, aus einem Projekt eine richtige Band mit festem Line-up zu formieren. Letztendlich bin ich auch richtig froh darüber, da ich im Grunde nichts von halben Sachen halte!

Was können wir in Zukunft noch von euch erwarten? Soll es jetzt richtig losgehen mit Touren, weiteren Alben etc.?

Ja, klar. Wir werden natürlich unsere Live-Präsenz steigern. Ich will euch ja in Deutschland so richtig oft besuchen, hehe. Nebenbei fange ich schon wieder an, für das folgende Album zu komponieren.

Wie geht das Songwriting in einer »Projektband« eigentlich von statten? Wie oft trefft ihr euch zum Proben und Songs schreiben?

Für »Scars: Incomplete« waren Manuel und ich sehr intensiv am Ausfeilen der Songs beschäftigt. Ich war damit beschäftigt, die gesamte Musik zu komponieren und Manuel übernahm den Part ums Arrangieren der Songs und behielt ständig den Überblick. Wir proben 1-2 Mal in der Woche, wenn Konzerte anstehen.

Brauchtet ihr diesen Projekt-Ableger um Ideen loszuwerden, die ihr in euren anderen Bands nicht einbringen könnt?

Nein, die Ideen sind für In Slumber entstanden! Ich kann durchaus abwägen, welche Idee zu welcher Band gehört. Ich war einfach nicht genug ausgelastet und wollte einfach mehr komponieren. Das Konzept/die Emotion von In Slumber ist nicht dieselbe wie bei Thirdmoon.

In welchen Bands seid ihr außer Eisblut und In Slumber noch involviert? Schafft ihr die zeitliche Belastung überhaupt, um in allen Bands Vollgas geben zu können?

Nun, ich bin noch immer Gitarrist und Sänger der Band Thirdmoon! Es ist zeitweise schon ziemlich anstrengend immer 100% zu geben. Das Ganze ist dann Einteilungssache. Man muss einfach dort Prioritäten setzten, wo gerade Prioritäten verlangt werden.

Ihr schafft es, traditionellen melodischen Death Metal mit modernem Anstrich zu präsentieren, ohne dass ihr allzu stark in Richtung Metalcore schielt oder schlicht Altbekanntes kopiert. Hat man als Band in diesem Stil-Metier heutzutage überhaupt noch eine Chance? Letztlich ist das Marktsegment Melodic Death Metal weitgehend ausgeschlachtet bzw. wird von Bands wie In Flames dominiert und der Bereich Metalcore ist schon längst wieder auf dem absteigenden Ast! Oder sehe ich das falsch?

Danke Dirk, aber ob gerade ein Musikstil angesagt oder auf dem absteigenden Ast ist, kümmert mich eigentlich kaum! Ich denke, jene Leute, die den (Melodic) Death Metal lieben, werden bei diesem auch bleiben und sich dafür immer wieder begeistern können. Ich denke, In Slumber ist eine gute, moderne Mischung aus Death Metal und Metalcore mit eigener Emotionalität.

Eure Produktion ist unglaublich fett, brutal und voluminös geworden. Wo und mit wem habt ihr aufgenommen? Wieviel Zeit hattet ihr im Studio und welche Anekdoten gibt es zu berichten? Nebenbei: Mit welchen Amps und Gitarren habt ihr eigentlich diesen geilen, fetten Gitarrensound hinbekommen?

Nochmals danke! Schlagzeug, Bass und Gesang haben wir in Pettenbach/Österreich bei Franz Pöhn (Studio Süd) aufgenommen. Danach sind Manuel und ich nach Dänemark gefahren und haben den Rest mit Peter »Ziggy« Siegfredsen (Illdisposed, Mercenary, ...) gemacht. Wir haben Engl- und Krank Amps mit Jackson und Schecter Gitarren missbraucht! »Ziggy« hat den Mix dann seinem Freund Tue Madsen (Mnemic, The Haunted, ...) zum Mastering gegeben! Ich bin froh, diesen Schritt gemacht zu haben.

Wie waren denn die ersten Reaktionen auf euer neues Album? Euer erstes Album »Stillborn Rebirth« war ja damals schon szeneweit hoch gelobt worden.

Ja, wir sind sehr stolz auf die wirklich überdurchschnittlichen Kritiken! Es freut uns eben sehr, dass unsere intensive Arbeit an diesem Album geschätzt wird. Heutzutage ist es ja nicht mehr allzu leicht, den Kritikern eine Art von »Begeisterung« herauszulocken oder gar zufriedenzustellen.

Wie kam eigentlich der Wechsel zu Massacre Records zustande? Seid ihr zufrieden mit deren Arbeit? Welche Bands aus deren Stall könnt ihr unseren Lesern noch empfehlen?

Nun, ich hab einfach eine Promo-CD an Massacre Records geschickt. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut und ich habe auch Vertrauen in die Leute, die bei Massacre arbeiten! Bands aus deren Stall, die mir persönlich auch sehr gut gefallen, sind zum Beispiel Legion Of The Damned, Disbelief, Jack Frost, Graveworm, My Darkest Hate, Eisregen ...

Mir liegt leider kein Booklet vor und ich kenne die Texte zu eurem neuen Album nicht. Habt ihr wieder ähnlich emotionale Texte wie auf dem Vorgänger, bei dem es um das Borderline Syndrom ging? Wieviel von euren Texten steckt in euch als Menschen hinter In Slumber?

Das textliche Konzept umfasst die Hingabe zur Selbstverletzung. Ich hab ein Faible für das Pathetische darin. Die verschiedenen Motive, welche sich dahinter verbergen, sind eben sehr bedrückend! Ich versuche dies lyrisch nicht leblos und brutal, sondern etwas edler, emotionaler und spiritueller zu gestalten. Die Tragik dahinter hat etwas so wunderbar Krankes und Befreiendes. Hass und Leid in einer übersinnlichen Welt, lyrisch dargestellt, finde ich emotionaler! Ich würde sagen, ja, mich fasziniert das Kranke im Menschen! Ich kann mich da nur allzu gut identifizieren.

Wie wichtig ist euch generell der textliche Aspekt? Betrachtet ihr die Vocals lediglich als »Instrument« oder seid ihr eine Band, die eine wichtige Message rüberbringen will? Was haltet ihr von politisch motivierten Texten im Death Metal?

Für mich sind Texte natürlich sehr wichtig, weil ich darin meine wahren Gefühle und Gedanken wiedererkenne. Jede Textzeile trägt eine wichtige Message in sich. Zu unterscheiden ist jedoch, ob diese Texte, gesellschaftskritisch, politisch oder individuell frei interpretierbar angesetzt sind. Mir persönlich liegt es fern, politische Texte zu schreiben, da ich mich mit solchen Dingen nicht emotional genug beschäftige!

Ihr seid ja aus Österreich, was im Bereich Metal in Europa leider eher ein unbedeutenderes Schattendasein spielt. Was geht bei euch in der Szene? Welche weiteren Ösi-Bands sollte man unbedingt gehört haben, welche Magazine kennen und welche Festivals besucht haben?

Ich denke nicht, dass es darauf ankommt, in welchen Land man als Band oder Musiker lebt. Was heißt da »Österreich im Metal Bereich - unbedeutenderes Schattendasein«? Natürlich genießen Bands aus manch anderen Metal-angesagten Ländern ein leichteres Spiel bzgl. entgegenkommendere Sympathie und Aufmerksamkeit, aber alle Bands haben, wenn sie was erreichen wollen, sehr sehr hart daran zu arbeiten. Egal aus welchem Land!

Wann sieht man euch mal wieder in Deutschland?

Ich hoffe doch schon sehr bald und freue mich auch schon wieder darauf!

Mit welcher Band würdet ihr denn gerne mal auf Tour gehen und warum?

Mir ist wichtig, dass In Slumber auf Tour geht! Mit wem ist eigentlich egal, jedoch der Musikstil müsste ähnlich angesiedelt sein. Fein wäre natürlich eine größere Headliner-Band, die möglichst viel Publikum zieht!

Welche Bands laufen bei euch eigentlich zu Hause? Welche neuen Scheiben haben euch in letzter Zeit so richtig die Rübe abmontiert?

Ich habe zu Hause keine Zeit, um andere Musik außer meiner eigenen zu hören. Die aktuellste CD in meinem Regal ist Soilworks »A Predators Portrait« 2001!!! Meine Bandkollegen hingegen sind da ein wenig offener für modernen Metal.

Ui, na das überrascht mich wirklich extrem. Letztlich klingen In Slumber ziemlich modern, wenn man jedoch nur seine eigene Musik hört (Ich würde nach 2 Tagen total durchknallen ... Anm. d. Verf.) und dennoch so nah am Puls der Zeit ist wie die Burschen, ist das schon recht außergewöhnlich. Ich finde es schon recht beeindruckend, kaum nach rechts und links zu schauen und trotz musikalischer »CD-Abschottung« stilistisch vorne mit dabei zu sein ... Ich ganz persönlich hielte es niemals auch nur eine Woche aus, nicht zu wissen, was derzeit gerade Frisches auf den Markt kommt, ist aber auch eine Schreiberkrankheit, ha ha. Kommen wir zurück zum Interview: Welche Bands würdet ihr als eure wichtigsten Einflüsse abgeben?

Wenn ich ehrlich bin, hab ich keine Ahnung, welche Bands als musikalischer Einfluss herhalten müssen. Ich liebe den Old-School-Death Metal, habe aber nie versucht, diesen zu kopieren, sondern wollte immer meine eigene Linie finden und meinen Weg gehen! Bewusst auf andere Bands einzugehen oder einem Trend zu folgen wäre ein Betrug an mir selbst. Jedoch das Spirituelle dahinter für sich zu gewinnen und damit zu arbeiten, ist die Basis für jede Band und jeden Musikstil. Die Einflüsse werden eben dann sicherlich unterbewusst auf Konzerten oder in Metal-Lokalen verarbeitet!

Welche Interviewfrage habt ihr noch nie gestellt bekommen, die ihr aber immer schon mal beantworten wolltet?

Genau diese Frage! Aber beantworten kann ich sie leider nicht! Oder hab ich das gerade somit getan?

Letzte Worte?

So, danke fürs Durchlesen! Besucht uns doch mal unter www.myspace.com/inslumber oder www.inslumber.com oder bestellt euch einfach unser Album »Scars: Incomplete«! Hehe ... Bis bald und liebe Grüsse, Wolfgang

Dirk

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CD-Review: In Slumber - Scars: Incomplete


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